Praxisalltag

Zweitmeinungsverfahren startet jetzt – Vergütung geregelt

Das vor drei Jahren gesetzlich angeschobene Zweitmeinungsverfahren vor bestimmten planbaren Operationen ist vom 1. Januar 2019 an möglich.

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Das vor drei Jahren gesetzlich angeschobene Zweitmeinungsverfahren vor bestimmten planbaren Operationen ist vom 1. Januar 2019 an möglich. Für den indikationsstellenden Arzt wird für die Aufklärung und Beratung im Zusammenhang mit einem ärztlichen Zweitmeinungsverfahren die Gebührenordnungsposition (GOP) 01645 in den EBM-Abschnitt 1.6 aufgenommen. Sie kann einmal im Krankheitsfall (vier Quartale) abgerechnet werden und ist mit 75 Punkten (8,12 Euro) bewertet. Die Vergütung erfolgt extrabudgetär, befristet zunächst bis Ende 2021. Die Leistung beinhaltet auch die Zusammenstellung aller erforderlichen Unterlagen für den Patienten.

Achtung: Ein rechtlicher Zweitmeinungsanspruch besteht vorerst bei einer Mandelteilresektion (Tonsillotomie), bei einer vollständigen Entfernung der Gaumenmandeln (Tonsillektomie) sowie bei einer Gebärmutterentfernung (Hysterektomie). Weitere Krankheitsbilder sollen folgen, teilte die KBV mit. Sobald die ersten Ärzte eine Genehmigung für die Zweitmeinung erhalten haben, beginnt das Verfahren bundesweit. Die Vorbereitungen für die Genehmigungsprozesse laufen auf Landesebene.

Durch eine zweite ärztliche Meinung soll das Risiko einer zu weiten Indikationsstellung und damit zu hoher Zahlen bestimmter planbarer „mengenanfälliger“ Eingriffe, die nicht immer medizinisch geboten sind, verringert werden. Der Anspruch auf Zweitmeinung geht auf das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz von 2015 zurück. Die Details hatte der G-BA in einer Richtlinie festgelegt, die am 8. Dezember in Kraft getreten ist. Die KBV, die Deutsche Krankenhausgesellschaft und der GKV-Spitzenverband haben sich im ergänzten Bewertungsausschuss darauf verständigt, welche Leistungen Ärzte beim Zweitmeinungsverfahren abrechnen dürfen.

Laut G-BA-Richtlinie sind Ärzte verpflichtet, Patienten über ihren Rechtsanspruch auf eine Zweitmeinung zu informieren, wenn sie die Indikation für einen dieser planbaren Eingriffe stellen. In der Praxis heißt das: Rät ein Arzt einem Patienten zu einer Tonsillektomie, Tonsillotomie oder Hysterektomie muss er den Patienten darauf hinweisen, dass er sich vor dem Eingriff eine Zweitmeinung einholen kann. Er händigt ihm dazu alle für die Zweitmeinungsberatung nötigen Befunde sowie ein Merkblatt des G-BA aus. Das Merkblatt mit Informationen zum Leistungsumfang des Verfahrens und zur Inanspruchnahme stellt der G-BA auch auf seiner Internetseite bereit. Zudem soll der indikationsstellende Arzt den Patienten auf die Liste der Zweitmeiner hinweisen, die von den KVen bereitgestellt wird.

Der Arzt, der dann die Zweitmeinung abgibt, rechnet für den Patienten seine jeweilige arztgruppenspezifische Versicherten-, Grund- oder Konsiliarpauschale ab. Diese Vergütung erfolgt ebenfalls befristet bis Ende 2021 extrabudgetär. Sind für seine Beurteilung ergänzende Untersuchungen notwendig, kann er diese – medizinisch begründet – ebenfalls durchführen bzw. veranlassen. Diese Leistungen werden ebenfalls extrabudgetär bis 2021 vergütet. Für die Vergütung ist es notwendig, die Leistungen des Zweitmeinungsverfahrens bei der Abrechnung besonders zu kennzeichnen. Dies gilt für die GOP 01645 sowie für die Versicherten-, Grund- oder Konsiliarpauschale und Untersuchungen, die der zweite Arzt für seine Beurteilung durchführt. Wie die Leistungen gekennzeichnet werden, wird von den KVen vorgegeben. Für eine bundeseinheitliche Regelung hat die KBV einen Vorschlag unterbreitet, der mit den KVen und dem GKV-Spitzenverband abgestimmt wird.

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