Praxisalltag

Rauchen: „Eine wie keine“ ist ein Irrglaube

Bezogen auf Herz und Kreislauf bringt es daher kaum etwas, das Rauchen nur zu reduzieren.

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Vielfach fragen sich Ärzte: „Wie schaffe ich es, meine Patienten vom Rauchen abzuhalten?“ Der regelmäßige Hinweis, er oder sie möge es doch bitte sein lassen, reicht nur in seltenen Fällen. Nun aber sollten nicht nur die Raucher, sondern auch Ärzte alarmiert sein, um ihre Patienten verstärkt zu warnen: Denn schon eine Zigarette am Tag belastet das Herz und die Gefäße, erhöht also das KHK-Risiko erheblich. Das geht aus der internationalen Forschung zum Zigarettenkonsum und den Negativauswirkungen hervor. Sich als Raucher also etwas vorzumachen und zu trösten „eine ist wie keine“, ist demnach ein Irrglaube.

Das Ergebnis einer zum Jahresende 2017 veröffentlichten Analyse aus 141 Studien – veröffentlicht im British Medical Journal (BMJ) – belegt, dass allein eine einzige Zigarette täglich dem Herz und den Gefäßen heftig zusetzt. Das wissenschaftliche Team um Allan Hackshaw vom University College London kommt zu diesem erschreckenden Ergebnis. Damit wird unter anderem die von Rauchern landläufig angenommene These widerlegt, dass zwischen dem Risikoanstieg und der Zigarettenzahl ein linearer Zusammenhang bestehe, indem eine Zigarette täglich nur fünf Prozent des Risikos einer Schachtel von 20 Zigaretten bedeute. Nein, sagen die Forscher, denn bereits sehr wenige und sogar nur ein einziger Glimmstängel pro Tag sind hoch anteilig für das Gesamtrisiko insbesondere von KHK-Problemen, wie der Koronaren Herzkrankheit (KRK) und Schlaganfällen verantwortlich.

Die Wissenschaftler waren vom Negativeffekt einer einzigen Zigarette täglich überrascht. Sie erkannten, dass jemand, der nur eine Zigarette raucht, nicht die erwähnten fünf Prozent, sondern 40 bis 50 Prozent des Erkrankungsrisikos (bezogen auf Herz und Gefäße) desjenigen in sich trägt, der 20 Zigaretten täglich raucht. Dabei sind Frauen sind noch stärker von Risiken des Rauchens betroffen als Männer, haben die Auswertungen der einschlägigen Studien ergeben. Die Gefahr ist für sie z. B. doppelt so hoch (57 Prozent), eine KRK zu erleiden als für nichtrauchende Frauen. Bei Männern steigt dieses Risiko um 48 Prozent im Vergleich zu Männern, die nie geraucht haben. Das Schlaganfallrisiko ist bei Frauen mit nur einer gepafften Zigarette am Tag um gut ein Drittel erhöht (31 Prozent), bei Männern um ein Viertel (25 Prozent).

Bezogen auf Herz und Kreislauf bringt es daher kaum etwas, das Rauchen nur zu reduzieren. Die einzige Möglichkeit, das Erkrankungsrisiko stark zu senken, ist der gänzliche Verzicht auf Zigaretten. Hinsichtlich Lungenkrebs jedoch ist die Lage anders: Hierfür macht es laut aktueller Studienlage sehr wohl einen Unterschied, ob die Inhaltsstoffe einer Zigarette oder der von 20 Glimmstängel die Lunge passiert. Raucht jemand eine Zigarette im Vergleich zu 20, ist sein Lungenkrebs-Risiko tatsächlich um ein Zwanzigstel geringer. Das aber bringt, wie dargestellt, dem Herz-Kreislauf-System nichts.

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