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Procalcitonin-Wert (PCT-Test) stützt Antibiotika-Entscheidung

Mit dem PCT-Test lassen sich bakterielle Infekte der unteren Atemwege rascher und zuverlässiger als bisher identifizieren und gezielter behandeln.

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Bei Atemwegsinfekten verhindert ein Bluttest auf den Procalcitonin-Wert (PCT) den möglicherweise unnötigen Einsatz von Antibiotika. Das berichtete bereits Ende 2010 kurz nach Einführung des damals neuen Diagnoseverfahrens das Online-Portal „Lungenärzte im Netz“. „Mit dem PCT-Test lassen sich bakterielle Infekte der unteren Atemwege rascher und zuverlässiger als bisher identifizieren und gezielter behandeln“, erläuterte Prof. Dr. Tobias Welte, Direktor der Abteilung Pneumologie an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Patienten mit einer viralen Infektion könne so eine unnötige Antibiotikatherapie erspart bleiben.

Mit neueren Veröffentlichungen (Schuetz P et al.: Procalcitonin testing to guide antibiotic therapy, JAMA 2018; 319(9): 925-6) bestätigten laut Praxis-Depesche 4/2018 europäische und US-amerikanische Studien die Effektivität der PCT-Klärung, auf die bereits vor acht Jahren die Lungenärzte der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) aufmerksam machten (vgl. European Respiratory Journal 2010, Band 36, Seite 601-607). Der Test auf den Biomarker Procalcitonin, der in Krankenhäusern routinemäßig bei der Infektions- und Sepsisdiagnose eingesetzt wird, könne auch von niedergelassenen Ärzten zur gezielten Diagnose bakterieller Atemwegsinfekte angewendet werden, so die DGP. Die Studien ergaben, dass die PCT-Klärung den unnötigen Einsatz von Antibiotika um gut 40 Prozent reduziert.

Procalcitonin ist laut Prof. Welte ein hochempfindlicher Biomarker, dessen Wert mit der Schwere einer bakteriellen Infektion korreliert. Nur wenn der Wert erhöht ist, das heißt mindestens 0,1 ng/ml beträgt, sei von einer Infektion durch Bakterien auszugehen. Dann sollten Antibiotika eingesetzt werden. Bei Viren ist dieser Wert hingegen moderat bis gar nicht erhöht.

Labore bieten niedergelassenen Ärzten die Auswertung eines PCT-Tests an. Meist wird dieser von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet. Hierbei ist darauf hinzuweisen, dass Biomarker wie Procalcitonin grundsätzlich nur als ein Hilfsmittel anzusehen sind. Die letzte Entscheidung zur Therapie bleibt immer beim Arzt.

Nach Auffassung des Internisten Dr. Eckehard Meissner hilft der PCT-Wert mit Sicherheit, die Anzahl der Antibiosen zu reduzieren. Der von PERSPECTIV dazu befragte Flensburger Lungenfacharzt schränkte jedoch ein, dass im niedergelassenen Bereich „die Messung kaum darstellbar bzw. mit einem POCT-Gerät nicht wirtschaftlich zu erbringen ist.“ Der Test sei für die Einzelpraxis zu teuer, weil er hier nur gelegentlich durchzuführen sei. Deshalb sei das Verfahren „aktuell nicht realistisch im ambulanten Bereich einsetzbar“, so die Sichtweise des Praktikers.

Internet-Quellen zu PCT:
https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/lungenentzuendung/article/639792/pct-test-stuetzt-entscheidung-antibiotikum.html

https://www.lungenaerzte-im-netz.de/news-archiv/meldung/article/bluttest-verhindert-sinnlosen-einsatz-von-antibiotika-bei-viralen-atemwegsinfekten/

https://www.aerzteblatt.de/archiv/79203/Atemwegsinfektionen-Differenzialdiagnose-per-Procalcitonin-Test

https://www.praxis-depesche.de/nachrichten/wann-antibiotika-procalcitonin-verraet-s/

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