Praxisalltag

OP-Zahl nimmt ab: Bessere Diagnosen bei Schilddrüsenknoten

Als neues Verfahren habe sich zusätzlich die Ultraschall-Elastographie etabliert, mit der die Gewebeelastizität gemessen wird.

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Moderne ultraschallbasierte Diagnostik hilft heutzutage festzustellen, ob Schilddrüsenknoten harmlos oder gefährlich sind. Durch die Optimierung der Diagnoseverfahren können viele der bis weit in die 2000er Jahre hinein üblichen Schilddrüsenresektionen vermieden werden. Darauf hat am 02.09.2019 die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) anlässlich der 4. Deutschen Hormonwoche in Berlin hingewiesen. In Deutschland gebe es trotz eines rückläufigen Trends immer noch eine hohe Operationshäufigkeit, die doppelt so hoch ist wie in anderen europäischen Ländern. Bei Routineuntersuchungen der Schilddrüse entdecken Ärzte häufig Schilddrüsenknoten, lange bevor diese beim Patienten Beschwerden verursachen; auch wenn die allermeisten gutartig sind, müssen sie abgeklärt werden.

Etwa 50 bis 70 Prozent der Menschen in Deutschland haben Knoten in der Schilddrüse (SD). Viele davon können bereits mit Abtasten nachgewiesen werden, andere werden zufällig in der Bildgebung entdeckt, da bildgebende Verfahren zur Diagnostik immer verbreiteter sind. „Durch diese Zufallsbefunde hat die Häufigkeit von SD-Knoten insgesamt zugenommen“, sagt Prof. Dr. Jörg Bojunga (Leiter des Schwerpunkts Endokrinologie, Diabetologie, Ernährungsmedizin, Medizinische Klinik I, Universitätsklinikum Frankfurt), der Vizepräsident der DGE. Heute könnten Mediziner mit Hilfe moderner Ultraschallgeräte und Untersuchungsverfahren die Knoten sicher und für Patienten schonend untersuchen und damit die Anzahl unnötiger Operationen reduzieren.

Das eigentliche Schilddrüsenkarzinom ist eine seltene Tumorerkrankung – „etwa fünf von 100 000 Menschen erkranken“, erklärt Jörg Bojunga. Im Behandlungsalltag ergebe sich daraus für den Arzt eine große Herausforderung: Zum einen eine hohe Zahl zufällig entdeckter Knoten, die es abzuklären gilt, zum anderen das Wissen, dass diese Knoten ein sehr niedriges Bösartigkeitsrisiko haben. „Moderne ultraschallbasierte Diagnostik kann hier helfen, unnötige Operationen zu vermeiden, ohne dabei bösartige Befunde zu übersehen“, betont der Fachmediziner. Die Basisuntersuchung der Schilddrüse, bei der Ausdehnung und Struktur betrachtet werden, sei jedoch nur eine „normale“ Ultraschalluntersuchung, eine sogenannte B-Mode-Sonografie.

„Der Ultraschall ist jedoch nicht genau genug, um zwischen gutartigen und bösartigen Schilddrüsenknoten zu unterscheiden“, erklärt Prof. Bojunga. Als neues Verfahren habe sich zusätzlich die Ultraschall-Elastographie etabliert, mit der die Gewebeelastizität gemessen wird. „Das B-Bild wird mit einer farblichen Darstellung der Gewebeelastizität überlagert. Die Farben sind definiert und hartem, mittelhartem und weichem Gewebe zugeordnet und geben weitere Hinweise, ob es sich um gesundes oder Tumorgewebe handelt.“ Für Patienten bedeutet diese schmerzfreie und schonende Untersuchung, dass sie ein schnelles Ergebnis liefert und je nach Befund eine weitere Diagnostik wie Gewebeproben und Operation überflüssig macht.

Hintergrund: In Ländern wie z. B. Südkorea, in denen Screening-Programme für Schilddrüsenkrebs angeboten wurden, lässt sich laut DGE exemplarisch sehen, wie aus dieser Konstellation eine Überdiagnostik und -therapie entsteht. Dort kam es durch die Ultraschall-Untersuchungen zu einer 1500-prozentigen Zunahme von SD-Krebs, meist kleinen Karzinomen, die dann operiert wurden. Doch die Kehrseite der Medaille: Mit den steigenden Operationen stiegen auch die Zahlen der Komplikationen, indem zwei Prozent der Operierten beispielsweise Lähmungen der Stimmbandnerven erlitten. Die Sterblichkeit blieb dabei trotz des Screenings unverändert. In Deutschland ist die Zahl der SD-Operationen zwar rückläufig, im Vergleich zu anderen europäischen Ländern jedoch immer noch doppelt so hoch: Pro 100.000 Einwohner sind es hierzulande etwa 100 Operationen. Mögliche Komplikationen bei unnötigen Operationen führen zur Verschlechterung der Lebensqualität der Patienten, ohne dass deren Lebenserwartung steigt.

https://www.endokrinologie.net/
https://www.forum-schilddruese.de/erkrankungen/heisse-und-kalte-knoten

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