Praxisalltag

Hornhautvernetzung mit UV-Therapie jetzt Kassenleistung

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat beschlossen, dass dieses Therapieverfahren künftig von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet werden soll.

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Gesetzlich versicherte Patienten, die an der schwerwiegenden Augenerkrankung Keratokonus leiden, können sich jetzt mittels einer Hornhautvernetzung (Crosslinking) behandeln lassen. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat beschlossen, dass dieses Therapieverfahren künftig von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet werden soll. Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) begrüßte in ihrer Mitteilung vom 13. Dezember 2018 die G-BA-Entscheidung und rät allen Betroffenen, untersuchen zu lassen, ob sie für diese Behandlung in Frage kommen.

In Deutschland leidet etwa einer von 2.000 Menschen an einem Keratokonus, einer Erkrankung, bei der die Hornhaut des Auges sich zunehmend verformt. Die Betroffenen sehen im Verlauf immer schlechter, sind schon früh auf Spezialkontaktlinsen angewiesen und benötigen im Verlauf nicht selten eine Hornhauttransplantation. „Das ist besonders schlimm, weil der Keratokonus meist schon bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen auftritt.“, erklärt Prof. Dr. Philip Maier von der Klinik für Augenheilkunde des Universitätsklinikums Freiburg.

Beim Crosslinking handelt es sich um das einzige Therapieverfahren – so auch das Fazit des G-BA – mit dem die Hornhautverformung und der damit einhergehende Sehverlust verzögert oder aufgehalten werden kann. Dabei wird die Hornhaut mit Vitamin B2 (Riboflavin) beträufelt und anschließend mit UV-Licht bestrahlt. Dies führt zu einer photochemischen Reaktion, bei der sich die Kollagenfasern der Hornhaut neu vernetzen und somit das Hornhautgewebe stabilisiert werden kann. Der G-BA hat eine Nutzenbewertung durchführen lassen und auf der Basis dieser Ergebnisse entschieden, dass Ärzte das Verfahren anwenden dürfen, wenn der Patient bestimmte Kriterien erfüllt. So müsse die Hornhautverkrümmung innerhalb von zwölf Monaten um mindestens eine Dioptrie zugenommen haben, erläuterte Prof. Maier, der im Namen der DOG als Fachberater für die KBV an der Beschlussfindung beteiligt war. Für die Behandlung selbst dürfe die Hornhaut insgesamt nicht zu dünn sein.

Die DOG empfiehlt allen Patienten, sich nach Diagnosestellung regelmäßig untersuchen zu lassen, um ein Fortschreiten der Erkrankung festzustellen und dann die Therapie in Anspruch zu nehmen. Ist das Sehvermögen in fortgeschrittenen Stadien der Erkrankung trotz Spezialkontaktlinsen bereits stark beeinträchtig, kann oft nur noch eine Hornhauttransplantation helfen: Dabei wird die beschädigte Hornhaut durch die gespendete Hornhaut eines Verstorbenen ausgetauscht. Möglicherweise kann jedoch die Notwendigkeit einer Hornhauttransplantation durch den Einsatz des Crosslinking künftig deutlich verringert werden.

Die genaue Begründung zum G-BA-Beschluss:
https://www.g-ba.de/downloads/40-268-5137/2018-07-19_MVV-RL_UV-Vernetzung-Riboflavin-Keratokonus_TrG.pdf

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