Praxisalltag

Diabetisches Fußsyndrom: Intensive Schulung und Kontrolle unerlässlich

Das ist eine wichtige und vor allem kurzfristig wirksame Interventionsmöglichkeit bei Hochrisikopatienten.

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Das diabetische Fußsyndrom ist eine der häufigsten und gefürchtetsten Spätkomplikationen beim Diabetes mellitus, da die Amputation droht. Mit intensiver Schulung und regelmäßigen Kontrollen lässt sich eine solche verhindern. So sollten die betroffenen Patienten sowie Familienangehörige und Mitarbeiter des Gesundheitswesens mit dem Ziel der Ulkus-Prävention (Fußpflege und Vermeidung von Verletzungen) geschult werden. Das ist eine wichtige und vor allem kurzfristig wirksame Interventionsmöglichkeit zur Reduktion der Ulkusrate und Amputationen vor allem bei Hochrisikopatienten. Einige Ärztegenossenschaften, wie z. B. die ägnw (Niedersachsen/Bremen), und Praxisnetze bieten solche Programme an.

Die bereits seit mehr als zehn Jahren geltenden deutschen Leitlinien zum diabetischen Fußsyndrom, die jetzt durch US-amerikanische Empfehlungen ergänzt bzw. bestätigt worden sind, weisen gezielt auf Prävention sowie Behandlungsmöglichkeiten hin. In der US-Leitlinie (Quelle: Hart T et al. – JAMA clinical guidelines synopsis: management of a diabtecic foot. JAMA 2017; 318: 1387-8), die von mehreren Fachgesellschaften erarbeitet wurde, werden konkrete evidenzbasierte Empfehlungen zur Vermeidung und zur Therapie des diabetischen Fußsyndroms – insbesondere des Fußulkus – gegeben.

Die ärztliche Untersuchung sollte stets die Sensibilität erfassen, um frühzeitig eine periphere diabetische Polyneuropathie feststellen zu können. Sehr wichtig ist auch der vaskuläre Status, genauer gesagt die Bestimmung des Knöchel-Arm-Index (ABI) und die Durchführung einer Farbdopplersonographie, um eine pAVK zu erfassen; denn bei bis zu 40 Prozent der Diabetiker mit einem Fußulkus besteht eine pAVK.  Bei Patienten mit einem Fußulkus sollte auch immer der transkutane Sauerstoff-Partialdruck bestimmt werden. Was die Stoffwechseleinstellung betrifft, so sollte bei diesen Patienten ein HbA1c-Wert <7% angestrebt werden. Damit lässt sich das Infektionsrisiko bei einem Ulkus und somit auch das Amputationsrisiko senken. Wird bei einem Ulkus-Patienten eine pAVK nachgewiesen, so sei eine operative Therapie mittels Bypass oder eine endovaskuläre Therapie anzustreben, weil dadurch die Abheilung begünstigt wird.

Die US-Vorgaben bestätigen die älteren deutschen – u. a. von der Deutschen Diabetes Gesellschaft veröffentlichten – Leitlinien, wonach die Parameter mindestens einmal jährlich bzw. noch öfter erfasst werden sollen. Derzeit gilt ein Risiko-Klassifikationssystem als internationaler Konsens, das über diese Internet-Adresse einsehbar bzw. abzurufen ist:

http://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/fileadmin/Redakteur/Leitlinien/Evidenzbasierte_Leitlinien/EBL_Fusssyndrom_Update_2008.pdf

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