Praxisalltag

Begeisterung für den Arztberuf

Wie sieht das vielschichtige Denken der Kolleginnen und Kollegen aus, wie ist es heute um das ärztliche Selbstverständnis bestellt?

© s_l – Fotolia.de

Helga Schilk

Vor dem Hintergrund der gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen nimmt sich Q-Pharm der Aufgabe an, ein Bild von der Situation der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte zu gewinnen. Wie sieht das vielschichtige Denken der Kolleginnen und Kollegen aus, wie ist es heute um das ärztliche Selbstverständnis bestellt? Deshalb ist Netzwerkkoordinatorin Helga Schilk seit einigen Wochen in den Reihen der niedergelassenen Ärzteschaft im Norden unterwegs, um dieses gewünschte Stimmungsbild einzuholen. Sie konnte auf Fragen von PERSPECTIV ein erstes Zwischenfazit ihrer bislang rund 20 Interviews in den Praxen ziehen. Helga Schilk wird in diesem neuen Jahr ihre „Erkundungsreihe“ fortsetzen und freut sich auf interessante weitere Dialoge mit den ärztlichen Ansprechpartnern. Sie vermittelt im folgenden Gespräch ihre ersten Erkenntnisse:

PERSPECTIV: Ist es schwierig oder eher leicht für Sie, die beruflichen und persönlichen Erfahrungen bei den Ärzten einzuholen?
Helga Schilk: Klar sagen nur wenige der von mir angesprochenen und um das Interview gebetenen Ärzte und Ärztinnen sofort zu. Es war und ist somit nicht ganz so einfach, die Interviewtermine zu bekommen. Dazu war vorausgehend immer ein persönliches Gespräch notwendig. Es gehört schon Vertrauen dazu. Nicht zu vergessen – Interviews und Gespräche fressen Zeit, und davon haben die Niedergelassenen bekanntlich wenig. Dann aber kommt es meist doch zu einem Termin. Und für diese Bereitschaft bedanke ich mich auch an dieser Stelle.

PERSPECTIV: Welche Ärzte sprechen Sie an und zu welchen Themen?
Helga Schilk: Möglichst alle Gruppen von Haus- und Fachärzten bezogen auf Alter und Berufsjahre. Ich habe dabei mit niedergelassenen, in Gemeinschaftspraxis niedergelassenen Ärzten sowie auch mit angestellten Ärzten gesprochen. Dabei habe ich versucht, speziell junge, relativ neu niedergelassene Ärzte und Ärztinnen zu interviewen. Es ging und geht dann um Fragen wie – warum lässt man sich nieder, wie waren die Erwartungen, was ist furchtbar, was macht Freude, ist man zufrieden oder total genervt.

PERSPECTIV: Ohne bereits an dieser Stelle konkrete Antworten zu erwarten, was hörten Sie von Ihren Befragten?
Helga Schilk: Ich kann aus meinen bisherigen Gesprächen klar erkennen, dass meine Ansprechpartner trotz aller negativen Begleiterscheinungen, wie zum Beispiel die vom System vorgegebene überbordende Bürokratie, begeisterte Ärztinnen und Ärzte sind. Sie haben sich genau diesen Beruf gewünscht und würden auch keinen anderen dagegen tauschen. Die nicht medizinischen Abläufe in einer Praxis haben die niedergelassenen Ärzte sozusagen im Griff. Jeder hat offenbar, das besagen die Antworten, seine oder ihre eigene Taktik entwickelt, damit umzugehen. Alle waren eigentlich sehr zufrieden mit ihrer Situation, sind gerne und engagiert für ihre Patienten da. Viele übernehmen in bestimmten Situationen ihres Versorgungsauftrags auch freiwillig und damit unentgeltlich zusätzliche Aufgaben. Aus allem schließe ich, dass wir uns keine Sorgen um die Versorgung in der Zukunft machen müssen.

PERSPECTIV: Das ist allgemein betrachtet höchst erfreulich. Doch wie sieht es mit den Problemen aus, die es sicherlich gibt?
Helga Schilk: Die Situation generell ist in der Tat erfreulich. So ist es auch positiv, dass von allen Ärzten, mit denen ich bisher gesprochen habe, die von ihnen als wertvoll erachtete Freiheit der Niederlassung betont wird. Auf die Probleme bezogen liegt dann jeder befragte „Fall“ anders, also sind es meist individuelle und spezielle Schwierigkeiten, ohne jetzt schon darauf näher einzugehen.

PERSPECTIV: Bekamen Sie auch etwas über persönliche Erfahrungen innerhalb der Praxistätigkeit zu wissen?
Helga Schilk: Ja, es gab geradezu sehr viele und ehrliche Antworten zur persönlichen Situation. Manche Ärztinnen und Ärzte möchten lieber der klassische Einzelkämpfer sein oder dieses bleiben. Andere bevorzugen heute die vielfältigen Möglichkeiten einer Gemeinschaft mit anderen Kollegen direkt in der Praxis, vor allem deshalb, weil man dann die wirtschaftliche Zuständigkeit und Verantwortung teilen kann und fachlich immer einen direkten Ansprechpartner hat. Und privat haben Ärztin und Arzt dann auch sozusagen immer ihre Vertretung parat.

PERSPECTIV: Welchen persönlichen Eindruck nehmen Sie aus Ihren Begegnungen mit?
Helga Schilk: Schön war und ist, dass mir bisher extrem viel erzählt wurde. Manchmal sprudelte es aus meinen Gesprächspartnern nur so heraus. Sich dann aus der Vielzahl der einzelnen Statements jeweils etwas thematisch herauszusuchen, das einen auch selbst stark betrifft, ergab den eigentlichen Gesprächsfluss. Oft war der dann gar nicht mehr zu stoppen. Ich meine, dass die Ärzte und Ärztinnen gerne mit mir gesprochen haben und sich über unser Interesse freuten.

Hinterlassen Sie einen Kommentar