Praxisalltag

Ambulant bald mehr Ärztinnen als Ärzte

Auf Basis des Ist-Zustandes wurde eine Hochrechnung der Mediziner-Demographie für die kommenden fünf und zehn Jahre erstellt.

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Der Trend ist eindeutig. Eine neue Studie hat ergeben, dass vom Jahr 2023 an in den Praxen mehr Ärztinnen als Ärzte selbstständig oder angestellt ihren Beruf ausüben werden. „Die Medizin wird immer weiblicher“, hieß es bereits vor sieben Jahren. Der Anteil berufstätiger Ärztinnen ist damals laut KBV und Bundesärztekammer von 33,6 Prozent (1991) auf 45 Prozent (2011) gestiegen. Im Bereich der niedergelassenen Medizin waren es zu 37 Prozent Ärztinnen.

Nun geht aus der Studie „Ärzte im Zukunftsmarkt Gesundheit 2018“ der Stiftung Gesundheit (Hamburg) hervor, dass in vier bis fünf Jahren mehrheitlich die Frauen mit einem Anteil von 51 Prozent in der ambulanten Patientenversorgung tätig sein werden. Aktuell sind es in diesem Bereich bundesweit 54 Prozent Männer und 46 Prozent Frauen. „Bei den angestellten Ärzten und Zahnärzten haben die Frauen zahlenmäßig schon jetzt mit den Männern gleichgezogen“, beschreibt Studienleiter Prof. Dr. Dr. Konrad Obermann die Situation. Bei den Praxisinhabern jedoch dominieren nach wie vor die männlichen Kollegen, die etwa 60 Prozent der niedergelassenen Ärzte und Zahnärzte stellen.

In der Studie hat die Stiftung die Gesamtheit der rund 240.000 Ärzte, Zahnärzte und Psychologischen Psychotherapeuten analysiert, die in Deutschland ambulant arbeiten. Auf Basis des Ist-Zustandes wurde eine Hochrechnung der Mediziner-Demographie für die kommenden fünf und zehn Jahre erstellt. Demnach vollzieht sich in den Zahnarztpraxen der Wandel am schnellsten. In den nächsten fünf Jahren steigt der Anteil der Zahnärztinnen um 10,1 Prozentpunkte; der Anteil der weiblichen Zahnarztpraxis-Inhaber legt in diesem Zeitraum um 5,1 Prozentpunkte zu.

Bei den niedergelassenen Ärzten nimmt der Anteil der weiblichen Kräfte in den nächsten fünf Jahren ebenfalls schnell zu, ergab die Studie. Bei den weiblichen Angestellten legt er um 7,7 Prozentpunkte zu. Für den Anteil der Praxis-Inhaberinnen wird ein Plus von 4,8 Prozentpunkten prognostiziert. Auch bei den Psychologischen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten steigt die Anzahl der praktizierenden Frauen. „Der Wandel fällt hier allerdings weniger ins Gewicht, denn Frauen sind schon heute in der Mehrheit“, berichtet Konrad Obermann. Bei den Psychotherapie-Praxisinhabern liegt die Frauenquote derzeit bereits bei 73,6 Prozent, bei den Angestellten sogar bei 84,2 Prozent.

Clara Fall

Dr. Klara Fall meint: Die Zahlen zeigen, wir sind auf einem guten Weg – hin zur Normalität. Doch wir sollten es nicht primär zu einer Gender Frage werden lassen. Medizin verändert sich und somit müssen sich Rahmenbedingungen verändern. Hin zu mehr Flexibilität und Kooperation, damit unsere Berufung ein Traumberuf bleibt – auch für Männer.

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