Medikation

Valsartan: Krebspatientin klagt gegen Pharmaunternehmen

Offensichtlich sei dies die erste Patientenklage des vermutlich mit krebserzeugenden Nitrosaminen verunreinigten Arzneimittels.

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Eine 80 Jahre alte Krebspatientin aus der Bodensee-Region hat jetzt eine Schadenersatz-Klage gegen drei Hersteller von Valsartan beim Landgericht Konstanz eingereicht. Offensichtlich sei dies die erste Patientenklage wegen langjähriger Einnahme der vermutlich mit krebserzeugenden Nitrosaminen verunreinigten Arzneimittel, teilte der Freiburger Rechtsanwalt und Fachanwalt für Medizinrecht Heiko Melcher am 20. Februar 2018 mit. Dieser macht mit der Klage gegen drei verantwortliche Pharmaunternehmen Auskunfts-, Schmerzensgeld- und Feststellungsansprüche geltend. Anwalt Melcher rechnet mit einer mindestens zweijährigen Verfahrensdauer.

Der Rechtsanwalt argumentiert im Namen der Klägerin, dass sowohl die Gefährdungshaftung aus § 84 AMG (Arzneimittelgesetz) wie auch das Unterlassen notwendiger Kontrollen im Herstellungsland die Ansprüche begründen. Anlass für die Klagerhebung sei eine erhebliche Verschlechterung der gesundheitlichen Situation der an Nierenkrebs erkrankten Patientin sowie die Veröffentlichung eines ersten Gutachtens über die Gesundheitsgefahren der Arzneimittel-Verunreinigungen in dem von der Europäischen Kommission eingeleiteten Risikobewertungsverfahren.

Die anwaltliche Pressemitteilung im Wortlaut:
https://schnepper-melcher.de/erste-patientenklage-wegen-verunreinigter-valsartane-gegen-deutsche-pharmazeutische-unternehmer

Der Rechtsweg in diesem Fall ist noch völlig offen. Sollte das zuständige Landgericht die Klage annehmen, dann ist der § 84 AMG („Gefährdungshaftung“ – nachzulesen unter https://dejure.org/gesetze/AMG/84.html) Grundlage des Verfahrens. Dieser regelt den Schadensersatz für Patienten, die durch ein Arzneimittel gesundheitliche Nachteile erleiden. Ob das im besagten Fall auf die klagende Patientin zutrifft, haben voraussichtlich mehrere gerichtliche Instanzen in dieser äußerst schwierigen Sachlage mit Hilfe gutachterlichem Sachverstandes zu klären, möglicherweise bis hin zu einem Grundsatzurteil.

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