Medikation

Studie zu Metformin – Patienten profitieren in Sachen Überleben

„Das Risiko einer Laktazidose scheint geringer zu sein als früher vermutet“.

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Eine neue Beobachtungsstudie zu Metformin, dem am längsten und häufigsten oral verabreichten Antidiabetikum, hat ergeben, dass die Patienten vom rechtzeitigen Beginn einer medikamentösen antidiabetischen Metformin-Therapie bezüglich ihres Überlebens profitieren. „Das Risiko einer Laktazidose scheint geringer zu sein als früher vermutet“, interpretiert Dr. med. Michael Zieschang (Darmstadt) das Studienergebnis. Die Stellungnahme des Mediziners wurde jetzt von der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AMK) veröffentlicht. Wichtig sei, dass die Patienten bei Therapieeinleitung über mögliche Symptome informiert werden. Dr. Zieschang betonte, dass durch diese Publizierung kein Interessenkonflikt bestehe.

Hier die Erkenntnisse in leicht gekürzter Form: Die jüngste Studie hat die Sterblichkeit von Patienten verglichen, und zwar solcher mit chronischer Nierenerkrankung und Typ-2-Diabetes einerseits und Patienten, die eine Monotherapie mit Sulfonylharnstoffen oder mit Metformin begonnen hatten. In die Studie waren Patienten (Veteranen) einbezogen, die zwischen 2004 und 2009 mindestens ein Jahr vor Studienbeginn mit einer Monotherapie mit Metformin oder einem Sulfonyharnstoffpräparat angefangen hatten. Sämtliche Informationen zur Therapie und dem primären Endpunkt Tod wurden den elektronischen Patientenakten entnommen, die eGFR wurde nach CKD-epi berechnet. Aufgenommen wurden nur Patienten mit einer Ersttherapie des Diabetes mellitus – sie durften vorher keine andere medikamentöse Behandlung ihres Diabetes erhalten haben. Patienten mit einer eGFR < 30 ml/min wurden wegen ihrer geringen Anzahl ebenfalls nicht berücksichtigt. Erfasst wurden Tod, Beendigung der Monotherapie oder Beginn einer anderen diabetischen Therapie.

Die Beobachtungszeit vom 1. Januar 2004 bis 31. Dezember 2009 umfasste 175.296 Patienten, die entweder Metformin oder Sulfonylharnstoffe erhalten hatten; hierbei gab es 5.121 Todesfälle. Dabei wurde eine geringere Sterblichkeit unter Metformin in allen GFR-Gruppen gefunden. Besonders stark sank die Sterblichkeit bei der Gruppe eGFR = 30–44 ml/min (12,1 weniger Tote/1000 Patientenjahre, Konfidenzintervall 5,2–19,0). Die Analyse wurde um potenzielle Confounder adjustiert: Alter, Nebenerkrankungen, kardiovaskuläre Medikation und andere. Die Hazard Ratio betrug zwischen 0,59 und 0,80 über die verschiedenen Grade der Niereninsuffizienz, d. h. unter Metformin war das Risiko zu sterben geringer (siehe Tabelle 1).

Der Mechanismus für die Entstehung von Laktatazidosen durch Metformin ist bekannt. Doch hängt das Risiko für die Entstehung dieser Azidosen vom Ausmaß der Nierenfunktion und von der Dosierung des Metformin ab. Hierzu stellte Dr. Zieschang heraus: „Früher scheint das Risiko von Laktatazidosen überschätzt worden zu sein. Es gibt sogar Hinweise darauf, dass Laktatazidosen, bei denen erhöhte Spiegel von Metformin nachgewiesen werden, eine bessere Prognose haben als Laktatazidosen anderer Ursache. Bei Patienten mit höchstgradiger Niereninsuffizienz (GFR < 15 ml/min) wurde in Taiwan kein erhöhtes Risiko für Laktatazidosen festgestellt. Die Grenzwerte der Nierenfunktion für die Verordnung von Metformin wurden von der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) erst kürzlich heruntergesetzt. Es kann jetzt bis zu einer GFR von 30 ml/min mit 2 x 500 mg verabreicht werden.

Weitere Informationen können hier abgerufen werden:
https://www.akdae.de/Arzneimitteltherapie/AVP/Artikel/201803/124h/index.php

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