Medikation

Sechs folgenschwere und vermeidbare Fehler bei der Einnahme von Arzneimitteln

Rund 50 Prozent aller Patienten nehmen die vom Arzt verschriebenen Arzneimittel gar nicht oder nicht komplett ein.

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Ein uralter Witz, aber wie oft beim Scherz mit einem Körnchen Wahrheit: Der ältere Patient zu seinem Hausarzt: „Also Herr Doktor, diese komischen Zäpfchen, die sie mir verordnet haben, schmeckten grausam!“ Der Arzt entsetzt: „Ja um Gottes Willen, haben Sie das etwa oral zugeführt?“ Patient: „Was hätte ich denn sonst damit machen sollen? In den Hintern stecken oder was?“

Nicht nur, doch vor allem ältere Menschen mit chronischen Erkrankungen müssen oft viele verschiedene Medikamente einnehmen. Damit sind sie nicht selten überfordert. Kommt es dazu zum Wechsel der Präparate oder Änderungen im Einnahmerhythmus, dann verlieren die meisten den Überblick. Binsenweisheit: Bei Arzneimitteln ist es wichtig, dass sie korrekt eingenommen werden, um richtig wirken zu können und keine schädlichen Auswirkungen auf Körper und Gesundheit zu haben.

Hier kommen nun sechs folgenschwere Fehler, die bei der Einnahme von Arzneimitteln immer wieder passieren.

  1. Falsches Getränk
    Wenn die Einnahme von Tabletten mit Flüssigkeit kombiniert wird, sollte nicht jedes beliebige Getränk verwendet werden. Kaffee oder Cola bewirken zum Beispiel, dass sich Tabletten langsamer auflösen. Auch Tee sorgt für eine verlangsamte Aufnahme der Medikamente. Bei Milch werden Wirkstoffe abgeschwächt und auch Saft kann die Wirkung verfälschen. Wenn auf dem Beipackzettel nichts angegeben ist, empfiehlt es sich also, die Tabletten am allerbesten mit Wasser in Raumtemperatur einzunehmen.
  2. Kombination von Lebensmitteln
    Bei manchen Medikamenten empfiehlt es sich, auf bestimmte Nahrungsmittel zu verzichten, da sie die Wirkung beeinträchtigen können. Dazu zählen Hafer, Blumenkohl, Pilze, Minze, grünblättriges Gemüse, Waldbeeren, Hülsenfrüchte, Kürbis und Vollkornprodukte. Ballaststoffreiche Gerichte sind bei der Einnahme zu vermeiden. Auch sollten in der Regel Tabletten nicht spätabends eingenommen werden, es sei denn, dass der Arzt das verordnet hat. Bei einigen Arzneimitteln wird zudem eine Diät verschrieben, woran sich die Patienten unbedingt halten sollten.

  3. Mischung mit anderen Präparaten
    Müssen viele verschiedene Tabletten über denselben Zeitraum eingenommen werden, sollten Patienten unbedingt mit Arzt und/oder Apotheker abklären, ob sie gleichzeitig einzunehmen sind oder in einem bestimmten Abstand zugeführt werden müssen. Meist wird empfohlen, rund eine halbe Stunde zu warten, bis ein weiteres Medikament geschluckt werden kann.

  4. Verkehrte Einnahmezeiten
    In der Regel erhalten Patienten einen empfohlenen Einnahmeplan, an den sie sich halten sollten. Vor allem Antibiotika sollten immer zu den gleichen Zeiten eingenommen werden, damit sie richtig wirken können. Damit die Einnahmezeit nicht vergessen wird, empfiehlt sich die modernste Methode: Den Wecker am Handy entsprechend programmieren!

  5. Keine Selbstmedikation vornehmen
    Bei der Einnahme von Medikamenten sollte man sich unbedingt an das halten, was er Arzt empfiehlt und verschreibt. Auf keinen Fall ist es ratsam, Arzneimittel eigenständig abzusetzen oder sich mit einer anderen Dosierung zu behandeln. Außerdem sollte darauf verzichtet werden, die verschriebenen Produkte einfach ohne vorherige ärztliche Absprache zum Beispiel durch homöopathische Alternativen oder andere Mittel zu ersetzen.

  6. Behandlung nicht einfach früher abbrechen
    Selbst wenn die Symptome nachlassen und es entsprechend besser geht, sollte die Behandlung nicht einfach frühzeitig abgebrochen werden. Besser wieder den Arzt konsultieren und nachfragen, ob zum Beispiel eine Packung noch bis zum Schluss geleert werden soll. Nicht selten kann es bei zu frühem Abbruch zu einem Rückfall kommen. Wie bereits oben beschrieben: Vor allem bei Antibiotika ist es wichtig, diese über einen festgelegten Zeitraum durchzunehmen.

Und noch ein Tipp: Besorgen Sie sich eine Arzneikassette!
Eine Hilfestellung vor allem für Ältere sind Arzneikassetten, die in erster Linie in der Apotheke erhältlich sind. Sie helfen vor allem dann, wenn die Medikamenteneinnahme daran scheitert, dass die Einnahme zu kompliziert ist. Wenn viele verschiedene Tabletten einzunehmen sind, dann hilft der richtige Einsatz dieser Kassetten zum Vorsortieren und beseitigt das Problem. Die Kästchen bieten Platz für die Medikation einer Woche und sind übersichtlich in 7 Tage mit jeweils 4 Einnahmezeiten aufgeteilt.

Hintergrund zu unseren PERSPECTIV-Tipps:
Das Thema der falschen Einnahme verordneter Medikamente hat „Infratest Gesundheitsforschung“ in einer Studie untersucht und dabei herausgefunden: Rund 50 Prozent aller Patienten nehmen die vom Arzt verschriebenen Arzneimittel gar nicht oder nicht komplett ein. 30 Prozent werden falsch angewendet, so dass ernste gesundheitliche Folgeschäden auftreten. Noch schockierender: Bis zu 20 Prozent der Einweisungen ins Krankenhaus sind offenbar laut Studie das Ergebnis falscher Medikamenteneinnahme. Diese Ergebnisse konnten durch Untersuchungen in anderen Ländern bestätigt werden. Hinzu kommt, dass viele Menschen ihre Medikamente aus Angst vor den Nebenwirkungen oder aufgrund konkreter Beschwerden ohne Rücksprache mit dem Arzt wieder absetzen – und das wirkt sich natürlich auch wirtschaftlich aus. Es wird dadurch mit einem weltweit den volkswirtschaftlichen Schaden von jährlich mindestens zehn Milliarden Euro gerechnet.

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