Medikation

Neue Festbeträge sorgen erneut für Verunsicherung in der Zuzahlungssituation

Diese Verunsicherung schwappt schließlich in die Praxis über, sobald sich die betroffenen Patienten fragend an ihren Arzt bzw. ihre Ärztin wenden.

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Ab 1. April werden gemäß Beschluss des GKV-Spitzenverbandes erneut die Festbeträge von Arzneimitteln in 30 Gruppen festgesetzt bzw. angepasst. Arzneimittel-Festbeträge dienen der Bestimmung des maximalen Betrags, den die gesetzlichen Krankenkassen bereit sind dafür zu bezahlen. So wurde beispielsweise erstmals ein Festbetrag für das Biologikum Infliximab festgesetzt. Aber auch bei vielen alt-etablierten Generika gelten neue Festbeträge – unter anderem für die Schmerzpräparate Buprenorphin, Fentanyl, Morphin und Oxycodon.

Das Beispiel Morphanton® von Q-Pharm zeigt, wie sich die neuen Festbeträge auf die Zuzahlungssituation von Patienten auswirken. Trotz der langjährigen Preisführerschaft von Morphanton® entfällt jetzt die allgemeine Zuzahlungsbefreiung für Patienten. Denn durch die abgesenkten Festbeträge erreicht Morphanton® nicht mehr den nötigen Preisabstand zum Festbetrag – hierzu müsste man mindestens 30 % unter Festbetrag liegen. Zwar liegt Q-Pharm mit Morphanton® immer noch als preisgünstigster Anbieter weit unter Festbetrag, doch damit erlischt der Status der allgemeinen Zuzahlungsbefreiung, den sie über Jahre hinweg als einziger Anbieter führten. In der Folge können Patienten irritiert werden, wenn sie neuerdings eine Zuzahlung von 10 % des Arzneimittelpreises (mindestens aber fünf Euro und höchstens zehn Euro) in der Apotheke zu leisten haben. Diese Verunsicherung schwappt schließlich in die Praxis über, sobald sich die betroffenen Patienten fragend an ihren Arzt bzw. ihre Ärztin wenden.

Ärztinnen und Ärzte sollten betroffene Patienten dahingehend aufklären, dass der Wegfall der Zuzahlungsbefreiung eine Folge der neuen Festbeträge ist. Dies kann weder dem verordnenden Arzt noch dem Hersteller oder der Apotheke zugeschrieben werden. Vielmehr ist das eine Folge der gesundheitspolitischen Preisdämpfungsmaßnahmen, die dazu führt, dass immer weniger Arzneimittel eine allgemeine Zuzahlungsbefreiung erlangen. Dadurch werden diejenigen belangt, für die eine verlässliche Medikation unverzichtbar ist – Patienten in der Dauermedikation.

Hier finden Sie die Liste der betroffenen Wirkstoffe im Beschluss des GKV-Spitzenverbandes:
https://www.gkv-spitzenverband.de/krankenversicherung/arzneimittel/arzneimittel_festbetraege/festbetraege.jsp

Ein Kommentar

  • Hallöchen ich bin Ramona und ich habe glücklicherweise eine Zuzahlungsbefreiung. Könnte mir sonst gar nicht die Medikamente leisten. Meine EU Rente wurde abgelehnt und Jobcenter hat mich auch nicht mehr gewollt, da ich nicht mehr vermittelbar bin. Nun bin ich beim Sozialamt gelandet. 😯 Zu Ärzten gehe ich nur noch in meiner Stadt, da ich mir weitere Fahrten einfach nicht leisten kann. In der Stadt fahre ich dann fast alles mit dem Rad ab. Ich hoffe ich bleibe noch lange so mobil um nicht laufend Bus bezahlen zu müssen. 🙁 Schon traurig manchmal alles. LG Mona 🙂

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