Medikation

Medikamenteneinnahme – Wechselwirkungen mit Lebensmitteln vermeiden

Doch auf die Einnahme der ärztlich verordnenden Medikamente zu verzichten, das ist der völlig falsche Weg.

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Bestimmte Lebensmittel können die Wirkung von Medikamenten verändern, verringern oder verstärken. Deshalb sollten Patienten, die regelmäßig Medikamente einnehmen, auf die mögliche Wechselwirkung in Kombination mit Lebensmitteln und Getränken beachten. Doch auf die Einnahme der ärztlich verordnenden Medikamente zu verzichten, das ist der völlig falsche Weg. Für Patienten gilt die Devise: „Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker!“

Doch nicht immer hat der verordnende Arzt die notwendige Zeit und Gelegenheit, um beim Rezeptieren über seine erste Anweisung zur korrekten Medikamenteneinnahme hinaus ausführlichere pharmakologische Hinweise auf mögliche Wechselwirkungen zu geben. Deshalb sollte jeder, der Medikamente benötigt, spätestens den Apotheker oder seine Apothekerin danach fragen, welche Wechselwirkungen individuell zu berücksichtigen wären. Reicht es zum Beispiel aus, eine Pause zwischen der Arzneimitteleinnahme und dem Konsum eines Lebensmittels zu machen oder muss gänzlich auf ein bestimmtes Lebensmittel verzichtet werden? Ein Tipp zu diesem wichtigen Thema: Es empfehlen sich schriftliche Informationen (Patientenflyer und Broschüre) der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), die in den Apotheken erhältlich sind. Darin steht, ob und wie die Wirkstoffe eines verordnenden Arzneimittels mit Lebensmitteln „korrespondieren“ und sich Wechselwirkungen vermeiden lassen.

Grundsätzlich gilt, dass wegen der unterschiedlichen Effekte durch Nahrungsmittel manche Arzneimittel nüchtern, andere vor, zum oder nach dem Essen eingenommen werden. Denn Nahrung verzögert die Magenentleerung und dadurch auch den Wirkeintritt von Arzneistoffen. Bei Arzneimitteln, die schnell wirken sollen, ist jedenfalls die nüchterne Einnahme sinnvoll. Arzneimittel, deren Resorption und Wirksamkeit durch die gleichzeitige Nahrungszufuhr reduziert werden, sollten ebenfalls nüchtern eingenommen werden. Dies gilt nach ABDA-Angaben z. B. für das Antibiotikum Phenoxymethylpenicillin, für Schilddrüsenhormone und das Diuretikum Furosemid.

Die Einnahme zum oder nach dem Essen ist dann zu empfehlen, wenn die Arzneimittel hierdurch besser verträglich werden. Beispiele sind das Antidiabetikum Metformin, das Antibiotikum Nitrofurantoin oder das Antidepressivum Venlafaxin. Insbesondere bei lipophilen Arzneistoffen optimiert die Nahrung häufig die Resorption. Dies erklärt, warum das Retinoid Isotretinoin und das Antimalariamittel Atovaquon zum Essen und das Parkinson-Therapeutikum Selegillin direkt nach dem Essen eingenommen werden sollen.

Generell sollten Patienten alle oralen Arzneiformen mit ganz wenigen Ausnahmen mit einem Glas Leitungswasser einnehmen. Leitungswasser eignet sich hierfür besonders gut, besser als Mineralwasser. Die in Mineralwässern enthaltenen, teils erheblichen Mengen an Calcium- und Magnesiumionen können mit bestimmten Arzneistoffen interagieren. Die Einnahme mit ausreichend Wasser (mindestens 200 ml) verhindert zudem, dass feste Arzneiformen, wie größere Tabletten, in der Speiseröhre hängen bleiben. Auch wird sichergestellt, dass sich das Medikament besser auflöst. Nur in wenigen Fällen wird ein anderes Getränk für die Einnahme empfohlen, wie für das Retinoid Acitretin und das Antimykotikum Griseofulvin. Diese Arzneisubstanzen sollen während der Mahlzeit vorzugsweise mit Milch eingenommen werden, um die Resorption zu verbessern.

Problematische Nahrungsmittel

  • Einige Interaktionen von Arzneimitteln treten mit bestimmten Nahrungsbestandteilen auf, zum Beispiel mit Milchprodukten, wie Joghurt und Käse.
    Die darin enthaltenen Calciumionen können durch Komplexbildung die Resorption bestimmter Arzneistoffe vermindern. Dies betrifft Bisphosphonate (wie Alendronat) und Antibiotika aus der Gruppe der Tetracycline (wie Doxycyclin) und die Gyrasehemmer Ciprofloxacin und Norfloxacin. Daher sollte der Abstand zwischen der Einnahme dieser Arzneimittel und dem Verzehr von Milchprodukten zwei bis drei Stunden betragen.
  • Auf Grapefruit als Frucht oder Saft muss der Patient wegen vieler Wechselwirkungen während der Einnahme bestimmter Medikamente komplett verzichten. Die in der Grapefruit enthaltenen Furanocumarine hemmen CYP3A4 in der Darmwand. Hierdurch steigt im Blut der Anteil der Arzneistoffe, die über CYP3A4 verstoffwechselt werden. Als Konsequenz treten häufiger Nebenwirkungen auf. Da Grapefruit das Enzym irreversibel hemmt, hält dieser negative Effekt länger an. Die Wechselwirkung mit Grapefruitsaft betrifft viele wichtige Arzneistoffe, die alle über CYP3A4 verstoffwechselt werden. Dazu gehören unter anderem Calciumantagonisten vom Nifedipin-Typ und Verapamil, die Cholesterol-Synthese-Hemmer Atorvastatin, Lovastatin und Simvastatin sowie die Immunsuppressiva Ciclosporin, Tacrolimus, Everolimus und Sirolimus. Bei diesen Arzneistoffen ist daher ein Hinweis auf diese Interaktion bei der Erstabgabe notwendig.
  • Goji-Beeren (Bocksdornfrüchte) interagieren über einen noch nicht genau bekannten Mechanismus womöglich mit Vitamin-K-Antagonisten, sodass der gerinnungshemmende Effekt verstärkt werden kann. Patienten, die Vitamin-K-Antagonisten einnehmen, sollten daher auf den Verzehr von Goji-Beeren in jedweder Form verzichten.
  • Risiken und Nebenwirkungen von Alkohol entstehen in Kombination mit Opioidanalgetika, Benzodiazepinen sowie sedierenden Antihistaminika und Antidepressiva. Alkohol kann die Sedierung verstärken, zu Benommenheit und in seltenen Fällen zu einer Atemdepression führen. Bei Diabetikern kann Alkohol mit zeitlicher Verzögerung Unterzuckerungen verstärken oder auslösen, da er die Neusynthese von Glucose (Gluconeogenese) in der Leber hemmt. Die Hypoglykämien treten teilweise erst Stunden nach dem Alkoholkonsum auf. Insbesondere nächtliche Hypoglykämien sind gefährlich, da sie oft unbemerkt verlaufen. Diese Gefahr besteht vor allem dann, wenn Diabetiker Alkohol nüchtern trinken. Sie sollten daher Alkohol am besten nur zu einer kohlenhydrathaltigen Mahlzeit oder einem Imbiss trinken. Ein Risiko besteht vor allem für Patienten, die Insulin spritzen oder Insulin-freisetzende Arzneistoffe wie Glibenclamid einnehmen.
  • Vitamin K wird für die Bildung der Gerinnungsfaktoren benötigt. Es ist vor allem in Blattsalat, Gemüse wie Spinat und Brokkoli sowie in verschiedenen Kohlsorten enthalten. Wer sich Vitamin-K-reich ernährt, kann die Wirkung der Vitamin-K-Antagonisten wie Phenprocoumon oder Warfarin abschwächen, da sie als Gegenspieler des Vitamin K bei der Synthese von Gerinnungsfaktoren wirken. Das Gegenteil kann bei einer Vitamin-K-armen Ernährung auftreten. Patienten, die Vitamin-K-Antagonisten einnehmen, sollten daher auf ihre Ernährung achten, damit sie jeden Tag eine möglichst ähnliche Menge an Vitamin K zu sich nehmen. Schwankt der Vitamin-K-Gehalt ihrer Mahlzeiten im Laufe mehrerer Tage stark, kann die Blutgerinnung durcheinander geraten. Auf einseitige Diäten sollten die Patienten ganz verzichten.

Weitere nützliche Hinweise finden sich zum Beispiel hier:
https://ptaforum.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-082014/unsicherheitsfaktor-nahrung/

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