Medikation

Jetzt im EBM: Tests zur gezielten Verordnung von Antibiotika

Ärzte könnten nunmehr vor einer möglichen antibiotischen Therapie öfter einen Labortest veranlassen.

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Durch den Einsatz von Labordiagnostik soll die gezielte Verordnung von Antibiotika gefördert werden (vgl. Procalcitonin-Wert (PCT-Test) stützt Antibiotika-Entscheidung). Dafür ist der EBM seit dem 1. Juli 2018 u. a. um den Procalcitonin-Test erweitert worden, teilte die KBV mit. Jetzt ist diese Diagnostik von der Anrechnung auf den Wirtschaftlichkeitsbonus befreit. Dazu werden die Kennnummern angepasst und die neue Kennnummer 32004 vereinbart. Sofern eine gesetzliche Meldepflicht für den Erreger oder die Infektion besteht, kann auch die Kennnummer 32006 angesetzt werden.

Ärzte sollten künftig möglichst immer dann eine Laboruntersuchung veranlassen, wenn aufgrund klinischer Kriterien die Indikation für oder gegen eine Antibiotikatherapie nicht eindeutig gestellt werden kann, so die KBV. In allen anderen Fällen können sie weiterhin eine kalkulierte Antibiotikatherapie verordnen, ohne vorherige Labordiagnostik. Entscheidet sich der Arzt für Labortests bei seinem Patienten, überweist er den PCT-Test oder eine mikrobiologische Diagnostik zur Erregeridentifizierung und gegebenenfalls Empfindlichkeitsprüfung wie gewohnt an einen Facharzt für Laboratoriumsmedizin oder Mikrobiologie (Muster 10).

„Eine nicht indizierte oder nicht ausreichend zielgerichtete Antibiotikatherapie ist nicht nur unwirksam, sondern kann durch Nebenwirkungen auch die Genesung eines Patienten beeinträchtigen und darüber hinaus zu Antibiotikaresistenzen führen“, betonte Vize-KBV-Chef Dr. Stephan Hofmeister. Mit den Anpassungen im EBM solle dem entgegengewirkt werden. Ärzte könnten nunmehr vor einer möglichen antibiotischen Therapie öfter einen Labortest veranlassen, sagte er. Erweitert wurde außerdem das Leistungsspektrum zur Erregeridentifizierung und Empfindlichkeitsprüfungen, z. B. bei Gastroenteritiden und Harnwegsinfekten.

KBV und GKV-Spitzenverband erwarten, dass durch den vermehrten Einsatz von Labordiagnostik Antibiotika in der vertragsärztlichen Versorgung gezielter eingesetzt werden. So soll eine Zunahme resistenter Keime verhindert werden. Zur Finanzierung der zusätzlichen Tests stellen die gesetzlichen Krankenkassen zusätzliche Gelder bereit.

Mit den Änderungen im EBM wird auch die DART-Strategie der Bundesregierung unterstützt. Diese hat 2015 die Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie „DART 2020“ beschlossen, um den globalen Aktionsplan zur Reduzierung von Antibiotikaresistenzen zu unterstützen. In der vertragsärztlichen Versorgung sollen die Anzahl der Antibiotikaverordnungen insgesamt reduziert sowie der Anteil der verordneten Antibiotika aus der Standardgruppe erhöht werden. Mit dem Arzneimittelversorgungs-Stärkungsgesetz von 2017 wurden die Ziele von DART 2020 im SGB V verankert und der Bewertungsausschuss beauftragt, den EBM zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen.

Weitere Informationen können direkt bei der KBV abgerufen werden:
http://www.kbv.de/html/1150_35538.php

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