Medikation

Generika decken heute drei Viertel der Arzneimittelversorgung ab

Generika

Wichtig: Generika beobachten, begleiten, justieren!

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Generika stellen den „Löwenanteil“ der Arzneimittelversorgung in Deutschland sicher. Pro Minute werden rund 950 Packungen generischer Medikamente an Patienten ausgehändigt. Das sind laut Spartenorganisation „pro Generika“ jährlich mehr als 500 Millionen Packungen. Damit haben die Generikaunternehmen, wie z. B. die norddeutsche Q-Pharm AG, einen Anteil von 77 Prozent an der GKV-Versorgung mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln. Andererseits verursachen Generika lediglich zehn Prozent der Arzneimittelkosten für das Gesundheitswesen; und die Preise für diese Arzneimittel sinken immer weiter: Durchschnittlich erhalten Generikaunternehmen aktuell pro Patient weniger als 7 Cent pro Behandlungstag. „Dabei sind bei vielen Erkrankungen generische Wirkstoffe heute der Goldstandard der Therapie“, sagt Q-Pharm-Vorstand Christoph Meyer im Gespräch mit PERSPECTIV.

Die beachtliche Erfolgsgeschichte generischer Präparate hatte vor nunmehr gut 40 Jahren begonnen, blickt Christoph Meyer zurück. Die ersten Generika-Angebote kamen von Stada 1975, gefolgt von ratiopharm 1976. Verankert wurden die günstigen Nachahmer-Präparate im Arzneimittelgesetz von 1976. Mit die ersten Generika mit einem sogenannten Freinamen waren damals z. B. Paracetamol und Diazepam. „Die Pharmavertreter hatten in der Anfangszeit eine Menge Arbeit, um die Ärzte an die ersten Freinamen der generischen Arzneimittel zu gewöhnen“, sagt Christoph Meyer, FA für Allgemeinmedizin. Inzwischen sei die Generika-Namensgebung aber durch das Arzneimittelrecht kompliziert worden. „Es werden teilweise unsinnig lange Konstrukte an Freinamen verlangt, die weder auf eine Packung noch auf das Rezept passen, weil teils die Salz- und Aggregatform genannt werden müssen.“

Hintergrund für die Einführung der Alternativ-Arzneimittel war schon damals die teilweise ausufernde Preisgestaltung bei Originalpräparaten. „Unsere Gemeinschaft der Versicherten hat gesagt, dass das so nicht weitergehen kann“, so Meyer, „und der Gesetzgeber stellte deshalb über den Weg der Schaffung der Generika einen Ausgleichsmoment her“. Wenige Jahre später sei aber der generische Markt wiederum so streng reguliert worden, so dass den im generischen Bereich mit Ziel der Optimierung der Präparate forschenden und innovativen Pharmaunternehmen „ziemlich stark die Luft abgedreht wurde“. Es gab um 1980 herum auch pharmazeutische Studien und kritische Fachartikel, in denen die Wirksamkeit und Stabilitäten bestimmter generischer Präparate von ratiopharm beklagt wurden.

„Das war zunächst ein herber Rückschlag für die Generika generell.“ Das habe ratiopharm veranlasst, jährlich ein dickes Buch aufzulegen, in dem die Bioverfügbarkeit und damit die Gleichartigkeit der Generika mit dem Original belegt worden sei. Meyer: „Das war spannend, denn das Pharmaunternehmen musste mit viel Geld die Ärzte überzeugen, dass ein Generikum kein billigst produziertes Nachgemachtes, sondern Gleichwertiges ist.“

„Über vier Jahrzehnte hinweg ist der generische Markt riesig gewachsen“, sieht Meyer die Entwicklung. Denn rund 20 Jahre, nachdem ein Originalpräparat eingeführt worden ist, wurde und wird ein Arzneimittel als Generikum freigegeben. Die Pharmaunternehmen dürfen sich dann dieses Patents bedienen und die Substanz nachbauen. Das geschieht jedoch mit einem „Aber“, so Christoph Meyer. Denn die jeweilige Substanz werde, zumal ihr Bekanntheitsgrad auch schon durch das Original meist hoch ist, von ärztlicher Seite als Generikum nicht mehr in ihrer (Weiter)Entwicklung beobachtet, betreut und überwacht.

„Der Arzt glaubt die Substanz zu kennen, doch oft haben sich die Diagnosen verändert und es kommt zu anderen Kombinationen mit neuen Arzneimittelgruppen“, erkennt Meyer die Situation. „Was wissen wir dann über Interaktionen und Unverträglichkeiten?“ Das sei relativ wenig. Aber kaum einer der Generikahersteller fühle sich hier berufen, „die Fortführung der Begleitung in der Anwendung eines generischen Arzneimittels zu realisieren.

Wichtig: Generika beobachten, begleiten, justieren!

„Genau diese Beobachtung und Begleitung ist nun das, was Q-Pharm intensiv umsetzen wird“, kündigt Vorstandssprecher Meyer an, „und zwar in Form von Therapiekonferenzen zu bestimmten Substanzgruppen mit den Praktikern und Anwendern. Denn, so Christoph Meyer, auch aus arzneimitteltherapeutischer Sicht des verordnenden Arztes: „Man kann den Generikamarkt nicht sich selbst überlassen“. Deshalb habe das ärztegenossenschaftliche Generikaunternehmen damit begonnen, „zu schauen, wie sich die Anwendung seiner Produkte entwickelt“. Daraus entstünden interessante Erkenntnisse, mit dem Ergebnis, dass der Anbieter dann bestimmte Gegebenheiten justieren könne. „Das muss man auch, denn insbesondere junge Ärzte im klinischen und ambulanten Bereich sind heute stark an den medikamentösen Einsatz von Generika gewöhnt und können damit umgehen, aber sie verfügen nicht über das Erfahrungspotential der Ersteinführung“. Also sei die Form der Begleitung, wie sie Q-Pharm inzwischen ermöglicht, unbedingt wichtig.

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