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Die Dosierung soll bald auf‘s Rezept

Das Ministerium und Ärzteverbände rechnen durch die neue Anweisung mit zusätzlichem Kostenaufwand von 108 Millionen Euro pro Jahr.

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Ärzte sollen bald nicht allein das Arzneimittel verordnen, sondern auf dem Rezept auch Angaben zur Dosierung machen. So will es ein Referentenentwurf, den im Juni das Bundesgesundheitsministerium (BMG) vorlegte. Dieser Entwurf bedeutet eine Änderung in der Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV), in der die neue Dosierungspflicht rechtlich verankert werden soll. Die geplante 18. AMVV-Änderung sieht allerdings vor, dass nicht für alle Patienten die Dosierung auf dem Rezept angegeben werden muss. Liegt ein Medikationsplan vor, entfällt die Dosisangabe. Der Referentenentwurf muss in diesem Jahr noch den parlamentarischen Weg durchlaufen, bevor die Änderung endgültig beschlossen wird.

In der Begründung des Referentenentwurfs heißt es, dass die EU-Richtlinie über die Ausübung der Patientenrechte in der grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung bereits bestimme, dass auf Verschreibungen, die in einem anderen Mitgliedsstaat als dem, in dem die Behandlung stattfindet (sog. Cross-Border-Verschreibungen), die Dosierung anzugeben ist. Dies soll nun auch auf deutschen Verschreibungen, die hier eingelöst werden, der Fall sein. „Die neue Vorschrift trägt im Rahmen des Medikationsprozesses zu einer verbesserten Transparenz für alle Beteiligten bei und somit auch zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit“, begründet das BMG die Änderung.

Das Ministerium und Ärzteverbände rechnen durch die neue Anweisung mit zusätzlichem Kostenaufwand von 108 Millionen Euro pro Jahr. Denn Arzneimittelverordnungen gehören zu den am häufigsten genutzten Formularen. Im Jahr 2017 allein wurden 664 Millionen Kassenrezepte und rund 65 Millionen Privatrezepte ausgestellt, schätzt das BMG. Es geht davon aus, dass der Erfüllungsaufwand für Ärzte und Zahnärzte in Höhe von mehr als 100 Millionen Euro aus dem gesundheitspolitischen Finanzierungstopf „Entlastungen in anderen Regelungsbereichen“ kompensiert werden könnte. Bei der Hälfte der Rezepte habe der Patient einen Medikationsplan, bei den anderen liege der erwartete zeitliche Mehraufwand bei 30 Sekunden je Rezept für den Arzt oder die MFA, bei dieser basierend auf einem durchschnittlichen Lohnkostensatz von 35,60 Euro je Stunde. Für Hausärzte, die an einem hochfrequenten Tag beispielsweise 100 Rezepte ausstellen, könnte dies nach der BMG-Rechnung bis zu 50 Minuten oder knapp 30 Euro Mehraufwand bedeuten.

Ärzteverbände reagierten auf die Pläne gelassen. Es sei ohnehin absolut notwendig, dass der Arzt bei einer Verordnung seinem Patienten Angaben zur Dosierung mitgebe, kommentierte Prof. Daniel Grandt, Vorstand der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft (AkdÄ), da Vorhaben. Das Rezept sei dafür aber gar nicht so gut geeignet, „weil es beim Apotheker bleibt“, meinte der AMTS-Experte gegenüber der Ärzte Zeitung. Am besten wäre es, wenn die Dosierungsangaben automatisch in der geplanten E-Patientenakte landen würden.

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