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Terminservicestellen: Praxen fordern Sanktionen für fernbleibende Patienten

Fast ein Drittel der über die Terminservicestellen vermittelten Arzttermine wurden unentschuldigt versäumt.

© Janina Dierks – Fotolia.de

Fast ein Drittel der Arzttermine, die über die Terminservicestellen der KVen vermittelt werden, versäumen die dort reservierten Patienten – und zwar unentschuldigt! Das ergaben die Rückmeldungen aus den Praxen beim Verband der niedergelassenen Ärzte Deutschlands, NAV-Virchow-Bund. Weil somit ein erheblicher Anteil der Termine ungenutzt verfallen und damit Kosten entstehen, weil Patienten in der Praxis ohne Grund nicht auftauchen, fordert der NAV-Virchow Bund nun Sanktionen.

Im Rahmen der im vorgesehenen TVSG geplanten Ausweitung der Terminservicestellen müsse unbedingt eine Sperre für diejenigen Patienten eingeführt werden, die ihren Termin unentschuldigt versäumen, so der Ärzteverband. Wer sich über die Vermittlungsstellen der KVen einen Termin besorge und ihn ohne rechtzeitige Absage nicht wahrnehme, soll für vier Wochen für alle weiteren Termine über die Terminservicestellen gesperrt werden, fordert NAV-Virchow-Bundesvorsitzender Dr Dirk Heinrich. Heinrich wörtlich: „Wir befinden uns in einem Solidarsystem, in dem es ein gesetzliches Wirtschaftlichkeitsgebot gibt. Wer keine Terminmoral zeigt und als Patient nicht daran mitwirkt, das Gesundheitssystem durch sein persönliches Verhalten wirtschaftlich zu nutzen, verhält sich unsolidarisch gegenüber anderen Patienten und unangemessen gegenüber den begrenzten Ressourcen im System!“
Der Gesetzgeber müsse ein Zeichen dafür setzen, dass ein solches unsoziales Verhalten nicht unbeantwortet bleibt.

Neben zahlreichen Rechten sind Patienten in der Vergangenheit auch Mitwirkungspflichten auferlegt worden, wies Dr. Heinrich auf die Gesetzeslage hin. An diesem Punkt müsse der Gesetzgeber „deutlich nachschärfen, sonst blockieren die Terminschwänzer unsere Praxisorganisation.“ Die betreffenden Personen „nehmen denen die Termine weg, die wirklich dringend einen brauchen“.

Die Durchführung könne, so der Ärztebund, durch eine Rückmeldefunktion erfolgen, die in das System der Terminservicestellen integriert werde. Gesperrte Patienten werden dann weiterhin innerhalb der vertragsärztlichen Versorgung behandelt. Sie erhalten lediglich für vier Wochen keine bevorzugte Vergabe mehr über die Servicestellen der KVen. Zur Umsetzung schlägt der NAV-Virchow-Bund eine Ergänzung des § 75 Absatz 1a Satz 10 SGB V vor, mit der die Vertragspartner des Bundesmantelvertrages eine entsprechende Regelung vereinbaren könnten.

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