Gesundheitspolitik

Systemische Therapie auf dem Weg zur GKV-Leistung

Die Therapie fokussiert auf die Interaktionen zwischen Mitgliedern der Familie oder des Systems und deren weitere soziale Umwelt.

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Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat am 22. November 2018 den Nutzen und die medizinische Notwendigkeit der systemischen Therapie bei Erwachsenen als Psychotherapieverfahren anerkannt. Nach nun abgeschlossener Nutzenbewertung wird jetzt die Psychotherapie-Richtlinie des G-BA angepasst, teilte dieser mit. Bevor Patientinnen und Patienten die systemische Therapie als GKV-Leistung in Anspruch nehmen können, müssten jedoch noch die Einzelheiten zur praktischen Anwendung geregelt werden, wie beispielsweise der Behandlungsumfang, sagte Dr. Monika Lelgemann, unparteiisches Mitglied und Vorsitzende der Unterausschüsse Methodenbewertung und Psychotherapie. „Wir gehen davon aus, dass dies innerhalb des nächsten Jahres abgeschlossen ist.“

Bei einer systemischen Therapie werden zusätzlich zu einem oder mehreren Patienten („Indexpatienten“) weitere Mitglieder des für den Patienten bedeutsamen sozialen Systems einbezogen. Die Therapie fokussiert auf die Interaktionen zwischen Mitgliedern der Familie oder des Systems und deren weitere soziale Umwelt. Sie sieht wechselseitige intrapsychische (kognitiv-emotive) und biologisch-somatische Prozesse sowie interpersonelle Zusammenhänge von Individuen und Gruppen als wesentliche Aspekte von Systemen an. Die Elemente der jeweiligen Systeme und ihre wechselseitigen Beziehungen sind die Grundlage für die Diagnostik und Therapie von psychischen Erkrankungen.

Der Antrag auf Bewertung des psychotherapeutischen Verfahrens systemische Therapie bei Erwachsenen (gemäß § 135 Abs. 1 SGB V) war im Februar 2013 gestellt worden. Da es sich bei dieser Bewertung um die Prüfung des Nutzens handelt, umfasste die Prüfung alle Indikationen der Anwendungsbereiche der Psychotherapie-Richtlinie. So wurden in die Nutzenbewertung auch die Ergebnisse des Abschlussberichts des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) sowie schriftliche und mündliche Stellungnahmen der entsprechenden Experten einbezogen. Die systemische Therapie wird mit Aufnahme in die Psychotherapie-Richtlinie zusammen mit der Verhaltenstherapie, der tiefenpsychologisch fundierten Therapie und der analytischen Psychotherapie das vierte Psychotherapieverfahren sein, das im Rahmen der GKV erbracht werden kann.

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