Gesundheitspolitik

Ärztekammer SH ebnet den Weg für „Fernbehandlungen“

Der neu gefasste Paragraph 7, Absatz 4 muss noch von dem schleswig-holsteinischen Gesundheitsministerium genehmigt werden.

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Die Ärzte in Schleswig-Holstein dürfen ihre Patienten künftig telefonisch beraten, ohne dass zwingend ein persönlicher Arzt-Patient-Kontakt erfolgen muss. Ziel der Landesärztekammer ist eine Rechtssicherheit für Ärzte, die Patienten bei leichteren gesundheitlichen Beeinträchtigungen am Telefon beraten. Die Regelung ermöglicht zudem eine zeitgemäße Patientensteuerung im Rahmen der Not- und Bereitschaftsdienste. Die Ärztekammer Schleswig-Holstein hat ihre Berufsordnung als erste Landesärztekammer in Deutschland entsprechend geändert. Der neu gefasste Paragraph 7, Absatz 4 muss noch von der Aufsichtsbehörde, dem schleswig-holsteinischen Gesundheitsministerium, genehmigt werden. Eine Lockerung des sogenannten Fernbehandlungsverbots hatte außer Schleswig-Holstein bislang nur Baden-Württemberg beschlossen, jedoch nur in Teilbereichen.

Beim nächsten Ärztetag in Erfurt im Mai 2018 kommt das Thema mit sicherlich auf die Tagesordnung, sagt der Vorsitzende des Telematik-Ausschusses in der Bundesärztekammer, Dr. Franz Bartmann (Flensburg), der auch Präsident der schleswig-holsteinischen Ärztekammer ist. „Eine andere Regelung wäre der Bevölkerung nach der Diskussion in der Vergangenheit kaum noch vermittelbar.“ Die Kammerexperten seien sich einig, Medizinern bei einfachen Krankheitsfällen künftig Beratung und Diagnosestellung auch über Bildschirm und Telefon zu erlauben, ohne dass diese die betroffenen Patienten vorher in der Praxis hatten. Bartmann ist zuversichtlich: „Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird dies auch beschlossen werden.“ Änderungen seien schon wegen der aktuellen Probleme mit der Notfallversorgung nötig.

Wenn man die Notaufnahmen der Krankenhäuser entlasten wolle, müssten niedergelassene Ärzte auch darüber entscheiden dürfen, ob Anrufer besser in der Klinik und beim Hausarzt aufgehoben wären, so Bartmann. Auch die Politik liebäugelt mit Änderungen. Das Verbot einer Erstbehandlung über Telemedizin müsse „auf den Prüfstand“, drängte Lutz Stroppe, Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, kürzlich bei einem Fachkongress in Berlin. Mit Blick auf hochspezialisierte Fachärzte, die nicht flächendeckend vorhanden seien, „wird das ein Punkt sein, den wir uns sehr genau ansehen müssen“, sagte er. Auch die Krankenkassen scheinen nicht abgeneigt. Denn telemedizinische Verfahren könnten „ein echter Gewinn für die Patienten sein, wenn sie die Versorgung qualitativ verbessern, erleichtern oder beschleunigen“, meinte der Vorstandsvize beim Spitzenverband, Johann-Magnus von Stackelberg.

Der schleswig-holsteinische Gesundheitsminister Dr. Heiner Garg bewertete den Schritt der Ärztekammer seines Bundeslandes positiv: „Die Vorteile der Änderung liegen auf der Hand: Der Einsatz digitaler Möglichkeiten in der Gesundheitsversorgung bietet die große Chance, sowohl Ärztinnen und Ärzte als auch Patientinnen und Patienten zu unterstützen und zu entlasten. Telemedizin kann dabei eine Brücke zwischen ambulantem und stationärem Sektor sowie zwischen ländlichen Raum und Spezialisten in Ballungsgebieten schlagen. Gerade in Flächenländern kann dies eine sinnvolle Ergänzung für die Behandlung der Patienten sein und wird einen zunehmend wichtigeren Beitrag zur Sicherung der Versorgung leisten. Für die praktische Umsetzung ist der Beschluss ein wichtiger Schritt.“

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