Gesundheitspolitik

Fernbehandlung: Direktes Arztgespräch ist und bleibt der „Königsweg“

Mit den Änderungen der Berufsordnungen ist nun eine „moderate und umsichtige Nachschärfung“ der Fernbehandlung erfolgt.

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Das bisher absolute Fernbehandlungsverbot wird nun durch Änderungen der Berufsordnungen der Ärztekammern aufgeweicht. Doch ist und bleibt das persönliche Gespräch, also der Kontakt von Angesicht zu Angesicht, der „Goldstandard“ und „Königsweg“ im Verhältnis zwischen Patient und Arzt. Das wird übereinstimmend von Sprechern der Ärzteschaft und Gesundheitspolitik unterstrichen. Entscheidend ist nach wie vor die Verantwortung des Arztes und dass auch der Fernkontakt richtig dokumentiert wird.

„Faktisch wird die Fernbehandlung in der Hausarztpraxis die Ausnahme bleiben“, betonte der Vorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, unmittelbar nach der am 10. Mai getroffenen Grundsatzentscheidung des Deutschen Ärztetags zur Lockerung des Fernbehandlungsverbots. „Eine unkontrollierte Fernbehandlungsflut“ sei nicht zu erwarten, sagte Dr. Franz Bartmann (Flensburg), Präsident der Ärztekammer Schleswig-Holstein, die als erste offiziell und ministeriell abgesegnete entsprechende Änderung der Berufsordnung vorgenommen hat. Es sei mit einem verantwortungsvoll genutzten telemedizinischen Kommunikationsweg zwischen Arzt und Patient zu rechnen.

Der Sozialminister des nördlichsten Bundeslandes, Dr. Heiner Garg, sieht Telemedizin als Chance, bestehende Versorgungsangebote zu ergänzen, auch um eine Brücke zwischen ambulantem und stationärem Sektor sowie ländlichem Raum und Spezialisten in Ballungsgebieten zu schlagen. Ähnlich äußerte sich KBV-Vizechef Dr. Stephan Hofmeister. „Versorgungsprobleme in ländlichen Regionen werden damit nicht gelöst“, doch häufiger könnten nun unnötige Arztbesuche vermieden werden. Der Vorteil von Fernkonsultationen sei, dass am Telefon oder via Internet eine erste Klärung erfolgen könne. Denn nicht selten stelle sich heraus, dass der Anrufer keinen Arzt benötige und sich den Weg in die Praxis sparen könne. „Diese Triage, Beratung, Beruhigung ist der eigentliche Mehrwert“, so Hofmeister. Er verwies auf Erhebungen, wonach zehn bis fünfzehn Prozent der Patienten nach einer Fernkonsultation keinen Arzt aufsuchen müssten. Auch er unterstrich jedoch, dass Online-Konsultationen nicht die notwendige persönliche Zuwendung von Ärzten ersetzen werden. „Die unmittelbare Arzt-Patienten-Beziehung wird weiterhin der Königsweg bleiben“.

Fernbehandlungen am Telefon oder über eine sichere Internetverbindung waren bisher bereits möglich, wenn der jeweilige Arzt seine Patienten kennt. Mit den Änderungen der Berufsordnungen ist nun eine „moderate und umsichtige Nachschärfung“ der Fernbehandlung erfolgt, um sie an die „moderne Welt der Kommunikation“ anzupassen, formulierte es der KBV-Vize. Er wies Erwartungen der Öffentlichkeit zurück, die Lockerung könne eine Lösung für den Ärztemangel sein oder dass die Ärzte dadurch mehr Zeit zur Verfügung hätten. „Wenn der Arzt telefoniert, ist er genauso gebunden, wie wenn er einen Patienten in seinem Sprechzimmer behandelt.“

Bundesweite Lockerung dauert bis zu zwei Jahre

Der Ärztetag-Beschluss sagt, dass Beratungen über Kommunikationsmedien auch ohne persönlichen Erstkontakt „im Einzelfall“ erlaubt sind, wenn „dies ärztlich vertretbar ist“. Wörtlich heißt es weiter, dass „die erforderliche ärztliche Sorgfalt insbesondere durch die Art und Weise der Befunderhebung, Beratung, Behandlung sowie Dokumentation gewahrt und die Patientin oder der Patient auch über die Besonderheiten der ausschließlichen Beratung und Behandlung über Kommunikationsmedien aufgeklärt wird“. Das Ausstellen von Rezepten und Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen bleibt dabei auch künftig verboten.

Die Änderung laut Musterberufsordnung der Ärzte (MBO-Ä) § 7 Abs. 4 muss zunächst von den Landesärztekammern auf regionaler Ebene umgesetzt werden. Erst dann gilt sie für die Praxen. Die Bundesärztekammer rechnet damit, dass diese Änderungen erfahrungsgemäß bis zu zwei Jahre dauern könnten, bis sie bundesweit erfolgt sind.

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