Gesundheitspolitik newsletter-gesundheitspolitik

E-Rezept kommt langsam aber sicher

Für das E-Rezept müssen noch technische Probleme gelöst sowie auch Gesetze umgeschrieben werden.

© Creativeye99 – stock.adobe.com

Das Elektronische Rezept wird seit längerer Zeit diskutiert; jetzt werden in Pilotregionen erste Nägel mit Köpfen gemacht: Damit Ärzte in Deutschland – was in den USA bereits seit 2012 möglich ist – Arzneimittel künftig bundesweit über Internet verordnen und per Patienten-App an Apotheken übertragen können, müssen zurzeit noch technische Probleme gelöst sowie auch Gesetze umgeschrieben werden. Doch die Einführung des E-Rezepts soll zügig vorangehen, indem das Bundesgesundheitsministerium die Spitzenorganisationen der Krankenkassen, Ärzte und Apotheker beauftragt, bestehende Regelungen, z. B. der Rahmenvertrag zwischen Kassen und Apothekern, entsprechend anzupassen. Gesetzesänderungen werden bis Juli dieses Jahres erfolgen, heißt es vom BMG, so dass die regulatorischen Voraussetzungen für das E-Rezept spätestens in einem Jahr (Frühjahr 2020) greifen sollen.

Die Apotheken in Baden-Württemberg wollen schon in diesem Jahr das E-Rezept in zwei Regionen testen und verweisen damit auf das BMG. Das Ministerium hatte ausdrücklich erklärt, es unterstütze Projekte, mit denen das E-Rezept bereits vor der flächendeckenden Einführung in der Telematikinfrastruktur (TI) getestet wird. In Baden-Württemberg wird das E-Rezept für gesetzlich Krankenversicherte im Rahmen des telemedizinischen Modellprojekts „docdirekt“ der KV Baden-Württemberg erprobt. Zudem startete im Januar 2019 die Techniker Krankenkasse (TK) ein Testprojekt des E-Rezepts, das auf den Raum Hamburg-Wandsbek begrenzt ist. Die auf 18 Monate angelegte Pilotphase soll zeigen, welche Vorteile das elektronische Rezept für Patienten, Ärzte und Apotheker hat. Auch die technische Umsetzung soll dabei unter Beweis gestellt werden.

In der Hamburger Pilotphase erhält der Versicherte in der Arztpraxis einen QR-Code sowie ein Abbild des bekannten rosafarbenen Rezepts in eine App auf seinem Smartphone. Möchte der Patient das Rezept einlösen, scannt die Apotheke den QR-Code ein. Die Apotheke kann daraufhin das vom Arzt verordnete Arzneimittel an den Patienten abgeben. Der Übertragungsweg ist verschlüsselt; die Rezeptdaten liegen bis zum Abruf in der Apotheke dezentral in der Arztpraxis. Die Teilnahme an dem Projekt ist freiwillig. Patienten können sich seit dem 1. Februar für das Pilot-Projekt anmelden, die ersten elektronischen Rezepte sollen im März ausgestellt werden. Nach Abschluss des Pilotprojekts wird das E-Rezept Teil der elektronischen Gesundheitsakte TK-Safe und soll perspektivisch bundesweit zur Verfügung stehen.

Das E-Rezept soll künftig eine Reihe von Vorteilen und Verbesserungen der Prozesse zwischen den Gesundheitspartnern bieten:

  • Wegfall der Zeit für Papierausdruck und händische Unterschrift
  • Möglichkeiten zur direkten, elektronischen Arzneimittelbestellung direkt beim Verschreibungsprozess
  • Onlinebestellung mit unmittelbarer elektronischer Zusendung des Rezepts
  • Schnellere Abrechnungsprozesse mit den Krankenkassen durch direkte elektronische Belegeinreichung
  • Rezeptversand in Minuten anstatt der Mindestlaufzeit eines Posttages
  • kurzfristige Aktualisierung von Rezepten
  • Rezeptnachbestellung und -zustellung auf digitalem Weg

Auf der Kostenseite stehen hohe Investitionen für Krankenversicherungen, Ärzte, Apotheken und weitere Partner im Gesundheitswesen. Diese sollen kompensiert werden durch:

  • Einsparungen in der Abrechnung mit den Krankenversicherungen
  • Entfall von Portokosten für Rezeptanforderung, -versand, und Leistungsabrechnung
  • Einsparungen durch schlankere Prozesse bei allen beteiligten Partnern
  • Kosten für Archivierung der Papierbelege entfallen

Doch es gibt auch Kritik am E-Rezept. So wird der Missbrauch der gespeicherten Rezeptdaten befürchtet. Einzelne Apotheker und Ärzte bemängeln, dass Prozesskosteneinsparungen nur den Krankenkassen zugutekommen. Es wird zudem eine Intransparenz befürchtet, indem die Patienten nicht selbst lesen könnten, was ihnen verschrieben wurde.

Hinterlassen Sie einen Kommentar