Gesundheitspolitik

DrEd – Erst heftig kritisiert, jetzt groß gefragt

Die Landesärztekammer Baden-Württemberg hat der Londoner Online-Sprechstunde die Genehmigung für ein Modellprojekt zur Fernbehandlung erteilt.

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DrEd – bisher in Deutschland von vielen Ärzten und Apothekern sowie von der Stiftung Warentest (2012: „Riskanter Besuch beim Online-Arzt“) weitgehend kritisch beäugt, plötzlich offiziell groß gefragt. Die Landesärztekammer Baden-Württemberg hat der Londoner Online-Sprechstunde die Genehmigung für ein Modellprojekt zur Fernbehandlung in ihrem Bundesland erteilt. Das deutschsprachige Angebot soll durch baden-württembergische Ärztinnen und Ärzte abgedeckt werden, teilte die Ärztekammer am 29.05.2018 mit. DrEd wirbt im Internet bereits seit einigen Jahren mit der Aussage, dass „erfahrene deutsche Ärzte“ für den Ferndialog mit Patienten zur Verfügung stehen.

Das Modellprojekt mit der online-Arztpraxis dauert zunächst zwei Jahre. Dabei wird interessierten Patienten die Fernbehandlung durch baden-württembergische Mediziner als Erstkontakt angeboten. Dabei beantwortet der Patient zunächst einen Fragebogen, anhand dessen die Ärzte beurteilen, ob eine telemedizinische Beratung und ggf. Behandlung sinnvoll ist. Falls ja, erfolgt die Behandlung mit der Diagnose und gegebenenfalls einer Verordnung. Anderenfalls wird der Patient an niedergelassene Ärzte zur direkten Konsultation verwiesen.

„Die Landesärztekammer Baden-Württemberg war und ist Vorreiter für die ausschließliche ärztliche Fernbehandlung“, stellte Kammerpräsident Dr. Ulrich Clever das Modellprojekt vor. Über die Berufsordnung seien vorher bereits vier andere Modellprojekte genehmigt worden „und wir freuen uns sehr, dass nun zwei weitere hinzukommen“. Arzt und Patient „können sich auf Distanz begegnen, und der Mediziner darf eine individuelle Diagnose stellen und die Therapie einleiten.“

Die ärztliche Berufsordnung untersagte bislang die ausschließliche Behandlung über Kommunikationsnetze. (Video-) Telefonie durfte immer nur mit Bestandspatienten erfolgen, also mit Patienten, die der Arzt oder die Ärztin bereits Face-to-face kannte. Der 121. Deutsche Ärztetag änderte dann im Mai 2018 die (Muster-) Berufsordnung für Ärzte, um künftig die ausschließliche Fernbehandlung zu ermöglichen (vgl. Fernbehandlung: Direktes Arztgespräch ist und bleibt der „Königsweg“). Der nächste Schritt ist die Übernahme dieser Regelung in die Berufsordnungen der einzelnen Landesärztekammern. Allen voraus war die ÄK Baden-Württemberg gegangen, die im Sommer 2016 ihre Berufsordnung entsprechend geändert hatte. Im Mai dieses Jahres folgte Schleswig-Holstein.

Ein weiteres Modellprojekt hat die baden-württembergische Kammer der Minxli (München) genehmigt, die Fernsprechstunden für Studenten organisiert. In diesem zunächst auf ein Jahr angelegten Pilotprojekt sollen Studierende der Universitäten Heidelberg und Karlsruhe bei gesundheitlichen Problemen mittels einer Smartphone-App den Kontakt zu baden-württembergischen Ärzten aufnehmen können. Diese treten in Videosprechstunden mit den Patienten in Dialog, um nach der Anamnese eine Diagnose zu stellen und gegebenenfalls die Behandlung einzuleiten.

Bei beiden Projekten wird laut Ärztekammer Baden-Württemberg durch begleitende wissenschaftliche Evaluationen kontinuierlich geprüft, ob Patienten bei der ausschließlichen ärztlichen Fernbehandlung die gleiche Qualität und Expertise wie in Praxis oder Krankenhaus geboten wird.

https://www.aerztekammer-bw.de/news/2018/2018-05/pm-weitere-modellprojekte/index.html

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