Gesundheitspolitik

Apotheker fordern Kontrollverbesserung für Arzneimittel

Statt einer ausschließlichen Fokussierung auf Kosten und Preise müssten Qualität und Sicherheit für die Patienten wieder im Vordergrund stehen.

© Glamourpixel – fotolia.com

Zur Sicherung der Arzneimittelversorgung für die Patienten haben die rund 300 Delegierten des Deutschen Apothekertages in München (10.-12. Oktober 2018) eine höhere Transparenz bei der Wirkstoffherstellung und weitere Maßnahmen zur Verhinderung von Lieferengpässen gefordert. Vor allem sollte das Kontrollsystem auf Wirkstoffverunreinigungen überprüft und weiterentwickelt werden, heißt es in einem Beschluss. Zudem wurde die europäische Pharmaindustrie aufgefordert, Ausgangsstoffe für lebensnotwendige Arzneimittel, Impfstoffe und in den Notfalldepots zu bevorratende Arzneimittel in ausreichendem Maße innerhalb der EU herzustellen. Die Gesetzgeber auf nationaler und europäischer Ebene sollten zudem die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen, um eine Transparenz über Art und Weise der Wirk- und Hilfsstoffe der Fertigarzneimittel sowie die Syntheseorte herbeizuführen. Die bedarfsgerechte Bereitstellung von Arzneimitteln müsse gesichert, Lieferengpässe bekämpft und Versorgungsengpässe verhindert werden. Engpässe in den Apotheken gebe es inzwischen auch bei Antibiotika, Schmerzmitteln oder Herzpräparaten.

Dem Thema Digitalisierung widmete der Apothekertag ein breites Kapitel: Telepharmazie, Ausbau der Telematik-Infrastruktur (TI), E-Rezept und künstliche Intelligenz. Zur „Datenautobahn“, sprich Digitalisierung im Gesundheitswesen, verkündete Claudia Korf, die Wirtschaftsexpertin der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e. V. (ABDA), dass die Erstausstattung zur Anbindung an die TI in den einzelnen Apotheken von den Krankenkassen finanziert werde. Ein entsprechender Vertragsabschluss stehe bevor. Der Antrag des Apothekerverbands Schleswig-Holstein wurde angenommen, dass es schon bald einen verbindlichen Zeitplan für die Einführung des E-Rezeptes und des E-Medikationsplans geben müsse. Die ABDA forderte, das E-Rezept „stufenweise“ einzuführen. Dabei soll mit der Ärzteschaft, den Softwareanbietern und den Rechenzentren kooperiert werden.

ABDA-Präsident Friedemann Schmidt forderte auf dem Apothekertag eine bessere Werteorientierung hin zu Vertrauen und Verantwortung statt verschärfter Ökonomisierung im Gesundheitswesen. Statt einer ausschließlichen Fokussierung auf Kosten und Preise müssten Qualität und Sicherheit für die Patienten wieder im Vordergrund stehen. Die jüngsten Arzneimittelskandale, wie Valsartan-Rückrufe oder das Lunapharm-Versagen, seien Folgen dieser Ökonomisierung und hätten der Arzneimittelversorgung erheblichen Schaden zugefügt. Schmidt: „Weltweit unbeschränkter Waren- und Kapitalverkehr ist auch im Gesundheitswesen zu einem politischen Fetisch geworden.“ Praktisch jeder „volkswirtschaftlich gebildete Schreibtischstratege“ fühle sich eingeladen, zu erklären, wie man das Arzneimittelversorgungssystem besser, effektiver und effizienter machen könne.“ Doch die praktische Erfahrung hinter dem Verkaufstisch mit den Patienten in der Apotheke fehle diesen Theoretikern. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sollte „Schreibtischstrategen, Ideologen und Erbsenzähler in die Schranken weisen, die auf verantwortungslose Weise immer wieder zur Strukturzerstörung aufrufen“. Erforderlich seien verlässliche Rahmenbedingungen.

Mehrfach hatte Minister Spahn im Vorfeld des Apothekertags einen Lösungsvorschlag im Versandhandelskonflikt angekündigt; er selbst sehe ein Rx-Versandverbot aus juristischen Gründen jedenfalls skeptisch. Spahn lieferte dann in seiner Rede noch keine Lösung. Der Koalitionsvertrag sehe ein Rx-Versandverbot, doch „da gibt es rechtlich ein paar Themen, wir müssen daher insgesamt alles in den Blick nehmen.“ Er appellierte an die Apotheker, auch über Alternativen zu reden. Nach langer Diskussion wurde der ABDA-Leitantrag bei etlichen Gegenstimmen zur Umsetzung des Rx-Versandhandelsverbots angenommen. Dieses sei „das einzig geeignete Mittel zur Umsetzung der Forderung nach Erhalt der Gleichpreisigkeit“. Bei der Beratung über Alternativen könne es nur um ein „komplexes Paket zum Ersatz des Verbotes“ gehen.

Hinterlassen Sie einen Kommentar