Ärztenetze

Neue Versorgungsmodelle als Wachstumsmarkt

Die wichtigsten Ansprechpartner und häufig auch die Initiatoren der Projekte sind die niedergelassenen Ärzte vor Ort.

Eigenes Archiv

Was mit der Gründung des Ärztezentrums Büsum 2015 große öffentliche Aufmerksamkeit erhielt, ist für die Ärztegenossenschaft Nord eG (ÄGN) bereits seit vielen Jahren ein wesentlicher Aufgabenschwerpunkt: In mittlerweile mehr als 20 teils abgeschlossenen Projekten wurde und wird in enger Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten an individuellen Versorgungsmodellen gearbeitet. Das Ziel in diesem Wachstumsmarkt auf dem Gesundheitssektor: Die ambulante medizinzische Versorgung vor Ort zu erhalten sowie die hausärztliche Versorgung langfristig zu verbessern und zu sichern.

Laura Löffler

Laura Löffler, ÄGN-Ressortleiterin Regionale Versorgung, erläutert in der jüngsten Online-Ausgabe „Arzt im Norden“ (26.09.2018) das Vorgehen der Ärztegenossenschaft und gibt Einblicke in die tägliche Projektarbeit. Diese sei in vier Projektschritte unterteilt. Am Anfang stehe die Feststellung der Machbarkeit. Laura Löffler: „Dafür sprechen wir mit allen Ärzten und den übrigen Projektbeteiligten und klären, ob eine grundsätzliche Bereitschaft zur Zusammenarbeit besteht. Im zweiten Schritt erarbeiten wir in enger Abstimmung mit allen Projektbeteiligten verschiedene Lösungskonzepte“.

Nachdem ein Konzept feststehe, so die Ressortleiterin, werde im dritten Schritt ein Businessplan erstellt; im vierten Schritt gehe es um die Realisierung des Konzepts. „In einigen Fällen arbeiten wir auch nach der Realisierungsphase im Rahmen von Managementverträgen weiter“, wie das zurzeit in Büsum und auf Pellworm der Fall sei. Voraussichtlich werden im nächsten Jahr weitere Managementaufträge hinzukommen, blickt Laura Löffler voraus.

Die wichtigsten Ansprechpartner und häufig auch die Initiatoren der Projekte sind die niedergelassenen Ärzte vor Ort. Laura Löffler: „Das gehört zu unserem Selbstverständnis als Ärztegenossenschaft.“ Darüber hinaus werde sehr eng mit den betreffenden Kommunen und Ämtern kooperiert. Auch mit dem Kommunalberater Harald Stender, bis 2014 Geschäftsführer des Westküstenklinikums in Heide, „arbeiten wir bei zahlreichen Projekten Hand in Hand“. Außerdem pflege die ÄGN gute Kontakte zu Organen der Selbstverwaltung und Experten aus den Bereichen Medizinrecht, Praxisplanung und Marketing.

Jüngstes Beispiel ist das geplante MVZ für sieben Gemeinden des Amts Hürup bei Flensburg. Hier war ÄGN in die Projektentwicklung einbezogen, jedoch wurde nach dem Businessplan vom künftigen Träger, der Sozialstation, entschieden, mit anderen Partnern weiter zu arbeiten. Laura Löffler: „Wir bedauern es sehr, dass unsere Philosophie nicht weiter verfolgt wird und sich die Sozialstation von einem negativen wirtschaftlichen Ergebnis hat abschrecken lassen.“

In den zahlreichen Projekten, die von der Ärztegenossenschaft in anderen Regionen begleitet werden und auch dort, wo diese die Geschäftsführung übernommen habe, „stand und steht für uns immer die Qualität der Versorgung und Umsetzung unter Berücksichtigung der ärztlichen Belange im Vordergrund“. Denn nach Meinung Laura Löfflers geht es, zumindest in den ersten Jahren primär nicht darum, ein wirtschaftlich attraktives Konzept zu entwickeln. Im Vordergrund der Zielsetzung stehe die Sicherung der ambulanten Versorgung in den Regionen. „Unseres Erachtens können beide Ziele nur langfristig mit Änderung der politischen Rahmenbedingungen erreicht werden.“

Hinterlassen Sie einen Kommentar